• Sonja Stirnimann

Warum Compliance ohne Sales nichts bringt

Keine Fussballmannschaft ohne Stürmer. Auch das ist strategische Compliance und muss ich keinem Kind zweimal erklären. Das sitzt.


Das Ziel der Mannschaft ist klar: Sieg. Die Rollen und deren Funktionen ebenfalls. Gemeinsam wird trainiert. Strategisch.



Unternehmerisches Ziel vor Augen?

Verglichen mit einer Sportmannschaft ist das Ziel und die daraus abgeleitete Strategie in Unternehmen oft nicht dem ganzen Team klar. Ihre individuelle Rolle auf dem Spielfeld ebenfalls nicht.


Eine Sportmannschaft wird nur erfolgreich sein, wenn die einzelnen Akteure zusammenspielen und ihre Aktionen aufeinander abstimmen. Dafür brauchen alle Spieler dasselbe Verständnis des Ziels und der daraus abgeleiteten Strategie.


Das gilt im Unternehmen ganz genauso: Hat nicht jedes Teammitglied Strategie und seine individuelle Rolle auf dem 'Spielfeld' glasklar vor Augen, hat das fatale Folgen.



Den Blick auf den Goalie

Übersetzt in den Fussball: der Verteidiger möchte auch Stürmer sein. Und der Stürmer gibt die Verantwortung für den Angriff dem Verteidiger. Noch fataler: man blickt einfach mal auf den Goalie und erwartet, dass er Angriff und Verteidigung in Personalunion übernimmt.


Die Konsequenzen daraus auf dem Spielfeld könnte mir jeder aufzeigen. In Unternehmen? Wird es komplizierter. Zumindest wird das geglaubt.


Meine Meinung als Expertin für Non-Compliance, Wirtschafts- und Cyberkriminalität ist eine ganz andere und wird mir immer wieder von meinen Kunden – die sich auf das «Spiel» einlassen – veranschaulicht und bestätigt. Auch komplexe Konstrukte von Unternehmen können das Gedankengut des sportlichen Risikomanagements leben.



Sportliches Risikomanagement - das «Three lines of Defense» Modell


Die unterschiedlichen Verteidigungslinien (Lines of Defense) sind nicht neu und allgegenwärtig. Siehe Sport. In Unternehmen gilt das Modell der «Three lines of defense» im Rahmen von Compliance Management Systemen als effektives Riskmanagement- & Control Framework.


Vergessen, wer denn genau welche Rolle bei diesen drei Verteidigungslinien wahrnehmen soll? Eine kurze Repetition in jeweils zwei Sätzen:

First line of Defense

Im operativen Management – und hier gehört Sales als sogenannte «Risk owner» dazu - werden die Geschäfte und die damit einhergehenden Risiken identifiziert, analysiert, bewertet (Likelihood/Impact) und erste Entscheidungen in Bezug auf das Management dieser Risiken getroffen.


Second line of Defense

Die zweite Verteidigungslinie unterstützt die erste mit Überwachungs- und Kontrollfunktionen. Die Fäden laufen hier zusammen. Die Effektivität der ersten Verteidigungslinie wir sichergestellt.


Third line of Defense

Als unabhängige Instanz unterstützt die dritte Verteidigungslinien - die interne Revision -die Geschäftsleitung und Verwaltungsrat bei Ihren Überwachungs- und Risikomanagementaufgaben. Sie beurteilt die Effektivität, Kontrollmechanismen und Prozesse der ersten beiden Verteidigungslinien.



Wie erkläre ich es meinem Kinde?


Mit einer Eselsbrücke. Wenn der Stürmer sich zu wenig überlegt ob er eine Chance hat den Ball für sich zu gewinnen und somit kopflos darauf losrennt hat er gute Chancen, dass der Verteidiger das Debakel sieht und eingreift mit seiner Taktik. Wird dieser ausgebremst durch den Gegner hat unser Goalie schon lange alles beobachtet und sich seine Strategie zurechtgelegt. Er weiss, dass er den Ball halten wird.



Compliance: Schuld ist nicht der Goalie

Nein. Wenn die ersten und zweiten Verteidigungslinien versagt haben, und die Interne Revision den Compliance Verstoss auch nicht entdeckt hat, ist diese nicht alleine schuld.

Es braucht alle. Jeder einzelne trägt wesentlich dazu bei, das Unternehmen vor Compliance-Verstössen zu schützen.


Wie ist ihre Mannschaft aufgestellt? Auf Sieg geeicht und mit dem richtigen Rollenverständnis?


Ich wünsche Ihnen viel Spass beim nächsten Spiel und sportliche Augenblicke bei der Implementierung und Adjustierung Ihres Compliance Management Systems.



Ihre

Sonja Stirnimann

PS: Das ist erst der Anfang und gilt selbstverständlich für alle Teamsportarten und kann beliebig angepasst und erweitert werden. Werden Sie kreativ, ich freue mich auf Ihre Ideen via LinkedIn und Twitter.

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