GREENPEACE
Medienmeldung vom 17. Januar 2003
Irren ist menschlich
– Laut Studie besonders grosses Gefahrenpotenzial in Atomkraftwerken
Zürich. Gegen menschliches Versagen in Atomkraftwerken
ist kein Kraut gewachsen. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle
Studie, welche das deutsche Öko-Institut im Auftrag von Greenpeace
verfasst hat. An der heutigen Pressekonferenz präsentierte
Greenpeace zudem eine neue Website zum Thema. In letzter Zeit ist
die Welt ein paar mal haarscharf an einem Atomunfall vorbeigekommen.
Menschliches Versagen im AKW ist jederzeit auch in der Schweiz möglich
– denn Irren ist menschlich und nicht vermeidbar.
Wir alle kennen das Gefühl aus dem Alltag – Hoppla,
da ist was schiefgelaufen. Sei es, dass man die Brille im Kühlschrank
verlegt oder den Pulli in der Waschmaschine geschrumpft hat. Irren
ist menschlich. In Atomkraftwerken allerdings können menschliche
Fehlhandlungen katastrophale Auswirkungen haben für Hunderttausende
von Menschen. Bislang wurde das Thema erst hinter verschlossenen
Türen diskutiert. Jetzt hat das Öko-Institut Darmstadt
erstmals eine aktuelle Studie aus kritischer Sicht erstellt. Mit
besorgniserregenden Resultaten.
Die Studie kommt zum Schluss, dass der menschliche Faktor «in
unzulässiger Weise» vernachlässigt werde. Die quantitativen
Verfahren, welche die Schweizer Behörden anwenden, um die Sicherheit
einer Anlage zu erfassen, seien ungenügend. Bessere Verfahren
sind allerdings nicht in Sicht. Denn, so Stephan Kurth, Mitautor
der Studie: «Die Schwierigkeit besteht darin, dass nicht vorhergesagt
werden kann, wann, wo und in welcher Kombination Fehler auftreten.»
Das bedeutet: Die Schweizer Atomkraftwerke als sicher einzuschätzen
ist Augenwischerei – das wahre Risiko kennt niemand. Sicher
ist: Human Factor stellt gemäss der Studie «ein wesentliches
Risiko der Kernkraftwerke» dar. Bei den bekannten Unfällen
mit z.T. katastrophalen Folgen war Human Factor wesentlich an den
Ursachen beteiligt.
Die Studie zeigt eindrücklich auf: Menschliches Fehlverhalten
lässt sich nicht beherrschen – zu vielfältig sind
die Möglichkeiten von Irrtümern, Fehlern und Regelverletzungen.
Dies belegt auch die neue Website www.risikofaktormensch.ch, die
eine lange Liste aufführt von Unfällen, Beinahe-Katastrophen,
Sabotageakten, Fehlern aus Unwissen, Nachlässigkeit, Überforderung,
Managementlügen, Vertuschung und Verharmlosungen. Eva Geel
von der Greenpeace-Atomkampagne sagt: «Es ist erschreckend,
wie häufig menschliche Fehlhandlungen in Atomkraftwerken geschehen.
Nur mit viel Glück sind wir in jüngster Zeit einem atomaren
Unfall entgangen.»
Die Fachwelt ist sich einig: Menschliches Versagen in Atomkraftwerken
wird – zum Beispiel wegen zunehmenden Kostendrucks –
weiter zunehmen. Dies zeigt die Statistik auch für die Schweiz.
«Bis jetzt haben wir Glück gehabt,» sagt Eva Geel,
«die Frage ist nur, wie lange noch.» Greenpeace fordert
deshalb, die Atomkraftwerke geordnet abzustellen und damit das ungeheure
Katastrophenpotential aus der Welt zu schaffen. Derweil bleibt zu
hoffen, dass uns das Glück bis dahin treu bleibt.
Hintergrundmaterial >>>
Informationen unter:
Eva Geel, Atom-Kampagne Greenpeace Schweiz, 01 / 447 41 24
Greenpeace-Medienabteilung, 01 / 447 41 11
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