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GREENPEACE Medienmeldung vom 31. Januar 2003

Risikofaktor Mensch: Schlamperei, Sabotage und Schildbürgerstreiche in Atomkraftwerken

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GREENPEACE Medienmeldung vom 17. Januar 2003

Irren ist menschlich - Laut Studie besonders grosses Gefahrenpotenzial in Atomkraftwerken

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GREENPEACE Medienmeldung vom 31. Januar 2003

Risikofaktor Mensch: Schlamperei, Sabotage und Schildbürgerstreiche in Atomkraftwerken

Kühlturm LeibstadtZürich. Irren ist menschlich. Sei es, dass wir die Brille im Kühlschrank lagern, dass ein Vegetarier beim Joggen von einer Lammkeule umgehauen wird oder dass ein Einbrecher am Tatort seinen Lebenslauf liegen lässt. Im privaten Leben ist das meistens einfach nur ärgerlich oder peinlich. Versagen aber Operateure in einem Atomkraftwerk, wird es schnell gefährlich. Dass wir einige Male haarscharf an der Katastrophe vorbeigeschrammt sind, zeigt die neue Website zum Thema «Hoppla» - eine erstaunliche Liste von menschlichen Fehlleistungen inner- und ausserhalb von Atomkraftwerken. Greenpeace hat heute mit einer Licht-Projektion am Kühlturm vom AKW Leibstadt darauf aufmerksam gemacht.

Der zuständige Leibstadt-Verantwortliche bei der HSK, Friedrich Kaufmann, zeigte sich letztes Jahr zuversichtlich: «Leibstadt ist nun sensibilisiert. Da wird es frühestens in drei Jahren wieder brennen.» Grund dieser beruhigenden Töne: In Leibstadt herrschte Personalmangel, Mitarbeiter blieben bis zu zehn Tagen und mehr auf Schicht – ohne einen Ruhetag. Das hatte zur Folge, dass die Angestellten nicht mehr motiviert waren; die Schlampereien häuften sich und gipfelten in der Fälschung von Sicherheitsprotokollen. Wegen zunehmendem Kostendruck wird sich dieses Problem in nächster Zeit verschärfen. Mit einer Licht-Projektion hat Greenpeace heute in Leibstadt auf die grosse Gefahr von menschlichen Faktoren in Atomkraftwerken hingewiesen.

Andere unglaubliche Beispiele aus den Gesellschaften mit unbeschränktem Risiko: Der US-Reaktor Millstone Point musste abgeschaltet werden, weil bei der jährlichen Prüfung acht von insgesamt 20 Operateuren und Managern durchgefallen waren. In einem anderen US-AKW musste ein Angestellter vor Gericht, weil er den Wasserkühler in der Kantine mit radioaktivem Wasser versetzt hat. Und im französischen AKW Blayais hatte jemand ein halbes Kilo Kochsalz in den Sekundärkreislauf des Reaktors geschüttet. Kochsalz beschleunigt Korrosion und gefährdet die Sicherheit der Anlage.

Dies sind nur wenige Beispiele aus der neuen Greenpeace-Website www.risikofaktormensch.ch, die viele Fälle von gefährlichen Pleiten, Pechsituationen und Pannen in Atomkraftwerken (auch der Schweiz) sowie harmlosen «Alltags-Hopplas» dokumentiert. Wer sich ein Bild machen will, was die Angestellten in der Atomindustrie so alles anstellen, ist herzlich eingeladen, die neue Website zu besuchen und sich mit dem Newsletter auf dem Laufenden zu halten.

Weitere Informationen und Bilder der Aktion
unter www.greenpeace.ch oder bei:
Eva Geel, Atom-Kampagne Greenpeace Schweiz, 01 / 447 41 24
Greenpeace-Medienabteilung, 01 / 447 41 11

 
 

 

 

 
 

GREENPEACE Medienmeldung vom 17. Januar 2003

Irren ist menschlich – Laut Studie besonders grosses Gefahrenpotenzial in Atomkraftwerken

Zürich. Gegen menschliches Versagen in Atomkraftwerken ist kein Kraut gewachsen. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie, welche das deutsche Öko-Institut im Auftrag von Greenpeace verfasst hat. An der heutigen Pressekonferenz präsentierte Greenpeace zudem eine neue Website zum Thema. In letzter Zeit ist die Welt ein paar mal haarscharf an einem Atomunfall vorbeigekommen. Menschliches Versagen im AKW ist jederzeit auch in der Schweiz möglich – denn Irren ist menschlich und nicht vermeidbar.

Wir alle kennen das Gefühl aus dem Alltag – Hoppla, da ist was schiefgelaufen. Sei es, dass man die Brille im Kühlschrank verlegt oder den Pulli in der Waschmaschine geschrumpft hat. Irren ist menschlich. In Atomkraftwerken allerdings können menschliche Fehlhandlungen katastrophale Auswirkungen haben für Hunderttausende von Menschen. Bislang wurde das Thema erst hinter verschlossenen Türen diskutiert. Jetzt hat das Öko-Institut Darmstadt erstmals eine aktuelle Studie aus kritischer Sicht erstellt. Mit besorgniserregenden Resultaten.

Die Studie kommt zum Schluss, dass der menschliche Faktor «in unzulässiger Weise» vernachlässigt werde. Die quantitativen Verfahren, welche die Schweizer Behörden anwenden, um die Sicherheit einer Anlage zu erfassen, seien ungenügend. Bessere Verfahren sind allerdings nicht in Sicht. Denn, so Stephan Kurth, Mitautor der Studie: «Die Schwierigkeit besteht darin, dass nicht vorhergesagt werden kann, wann, wo und in welcher Kombination Fehler auftreten.»

Das bedeutet: Die Schweizer Atomkraftwerke als sicher einzuschätzen ist Augenwischerei – das wahre Risiko kennt niemand. Sicher ist: Human Factor stellt gemäss der Studie «ein wesentliches Risiko der Kernkraftwerke» dar. Bei den bekannten Unfällen mit z.T. katastrophalen Folgen war Human Factor wesentlich an den Ursachen beteiligt.

Die Studie zeigt eindrücklich auf: Menschliches Fehlverhalten lässt sich nicht beherrschen – zu vielfältig sind die Möglichkeiten von Irrtümern, Fehlern und Regelverletzungen. Dies belegt auch die neue Website www.risikofaktormensch.ch, die eine lange Liste aufführt von Unfällen, Beinahe-Katastrophen, Sabotageakten, Fehlern aus Unwissen, Nachlässigkeit, Überforderung, Managementlügen, Vertuschung und Verharmlosungen. Eva Geel von der Greenpeace-Atomkampagne sagt: «Es ist erschreckend, wie häufig menschliche Fehlhandlungen in Atomkraftwerken geschehen. Nur mit viel Glück sind wir in jüngster Zeit einem atomaren Unfall entgangen.»

Die Fachwelt ist sich einig: Menschliches Versagen in Atomkraftwerken wird – zum Beispiel wegen zunehmenden Kostendrucks – weiter zunehmen. Dies zeigt die Statistik auch für die Schweiz. «Bis jetzt haben wir Glück gehabt,» sagt Eva Geel, «die Frage ist nur, wie lange noch.» Greenpeace fordert deshalb, die Atomkraftwerke geordnet abzustellen und damit das ungeheure Katastrophenpotential aus der Welt zu schaffen. Derweil bleibt zu hoffen, dass uns das Glück bis dahin treu bleibt.

Hintergrundmaterial >>>

Informationen unter:
Eva Geel, Atom-Kampagne Greenpeace Schweiz, 01 / 447 41 24
Greenpeace-Medienabteilung, 01 / 447 41 11