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Dietrich Dörner: «Die Logik des Misslingens»

Zur Atomkatastrophe von Tschernobyl schreibt Dörner, dass eigentlich alles seinen ganz normalen Lauf genommen hat – nur eben schief gegangen ist:

«Es ist niemand eingeschlafen, obwohl er hätte wach bleiben müssen. Es hat niemand aus Versehen einen falschen Schalter betätigt. Alles, was geschah, haben die Operateure bewusst gemacht und offenbar aus der Überzeugung heraus, richtig zu handeln. Selbstverständlich haben sie Sicherheitsvorkehrungen ausser Kraft gesetzt, obwohl dies verboten war. Sie haben hierbei aber nichts übersehen und nichts aus Versehen getan, sondern sie waren offenbar der Meinung, dass die Sicherheitsvorkehrungen für ein eingespieltes und erfahrenes Team viel zu eng ausgelegt waren. Solche Überzeugungen findet man keineswegs nur bei den Betreibern von Atomreaktoren. In jedem beliebigen Industriebetrieb und bei jedem Autofahrer, der seinen Sicherheitsgurt nicht anlegt, findet man diesen schmeichelhaften Glauben.»

Dietrich Dörner ist Professor für Psychologie mit den Forschungsschwerpunkten kognitive Psychologie, Denken und Handlungstheorie an der Universität Bamberg, Deutschland. Sein Buch «Logik des Misslingens» ist 1989 bei rororo erstmals erschienen, die letzte Auflage stammt vom Juni 2002.

James Reason: «Menschliches Versagen»

In seinem Buch beschreibt James Reason die psychologischen Risikofaktoren bei den modernen Technologien. Unter anderem kommt er zu folgenden Schlüssen:

«Heutzutage bedeuten die Art und das Ausmass bestimmter risikobehafteter Technologien, insbesondere Kernkraftanlagen, dass menschliches Versagen ungünstige Auswirkungen auf ganze Kontinente oder mehrere Generationen haben kann»

«Eine wichtige Lehre (...) besteht darin, dass Katastrophen sehr selten das Produkt eines einzigen monumentalen <Bockschusses> sind.»

«Normalerweise ist die Verkettung mehrerer, oft ziemlich unscheinbarer Fehler beteiligt, die entweder einer Person, oder, was öfter der Fall ist, mehreren Personen unterlaufen sind. Im allgemeinen gehören die Fehlleistungen, die zu von Menschen verursachten Katastrophen beitragen, klar erkennbar den bekannten Patzern, Schnitzern und Fehlern an, für die wir alle im normalen Alltagsablauf anfällig sind. Jeder einzelne könnte vernachlässigbare Folgen gehabt haben; aber ihre Effekte summieren sich auf, jeder verschlimmert den Schaden der Vorgänger, so dass sich im nachhinein die ganze Serie unaufhaltsam auf den katastrophalen Schluss zuzubewegen scheint.»

Bei Reasons Buch handelt es sich um ein Standardwerk, auf das auch Behörden und Industrie zurückgreifen. Reason ist Professor für Psychologie an der Universität Manchester mit Schwerpunkt auf menschlichen Fehlhandlungen und Sicherheit.