Atomare Hopplas - Beinahe-Katastrophen
 


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Geborstene LeitungenEine schwere Wasserstoffexplosion im deutschen Atomkraftwerk Brunsbüttel bleibt monatelang unentdeckt. (im Bild: geborstene Leitungen)








 
 
Knapp am Gau entlanggeschrammt - 19.04.2003
Mitteleuropa hat wieder einmal Glück gehabt: Im deutschen Atomkraftwerk Biblis A wurde ein Defizit "von grosser sicherheitstechnischer Bedeutung" festgestellt, wie das deutsche Umweltministerium bekannt gab. Die Ansaugöffnung für Notkühlpumpen sei nur halb so gross wie vorgeschrieben. Im Klartext: Im Notfall kann der Reaktor nur mit halber Kraft gekühlt werden. Dadurch kann es zu einer Überhitzung des Reaktorkerns kommen – was wiederum zu "massiven Freisetzungen von Radioaktivität" (Umweltministerium) führen kann. Bei einem Notfall droht im deutschen AKW Biblis also die Kernschmelze – der grösste anzunehmende atomare Unfall. Ob die Ansaugöffnungen schon falsch eingebaut worden sind oder erst nachträglich auf eine gefährliche Grösse verkleinert worden sind, ist unklar. Biblis A wurde vom deutschen Industriekonzern Siemens gebaut und ist ähnlich gebaut wie das schweizerische Atomkraftwerk Gösgen (zwischen Olten und Aarau).

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Schwerer Zwischenfall im belgischen Atomkraftwerk Tihange - 22.11.2002
Im belgischen Atomkraftwerk Tihange ereignet sich ein schwerer Zwischenfall: Weil ein Test falsch geplant wird, sinkt zuerst der Druck im Reaktor, dann kann ein irrtümlich geöffnetes Ventil wegen Kommunikationsproblemen für einige Minuten nicht mehr geschlossen werden. Während Tihange-Besitzerin Electrabel dies als „kleinen Vorfall“ abtut, wird es von den Behörden auf Stufe 2 der internationalen Störfall-Skala eingeordnet, also als Zwischenfall mit erheblichen Fehlern bei den Sicherheitsmassnahmen. Im schlimmsten Fall hätte der fehlerhafte Test zu einer atomaren Katastrophe, der Kernschmelze, führen können. Besonders eigenartig: Die Angestellten, die den fraglichen Test falsch ausgeführt haben, sind ein Jahr zuvor in Streik getreten – unter anderem wegen Sicherheitsbedenken.

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Millimeter trennen die Welt von einer Katastrophe - 16.02.2002
Millimeter trennen die Welt von einer Katastrophe: Im US-amerikanischen AKW Davis-Besse wird – rein zufällig - ein Loch im Deckel des Reaktorbehälters entdeckt. Nur 5 Millimeter Stahl halten dem Druck des Reaktors noch stand – der Stahl wölbt sich bereits und steht kurz vor dem Platzen. Ein Bersten hätte zu einem furchtbaren Atomunfall führen können. Wie konnte es zu dieser Beinahe-Katastrophe kommen? Abschliessende Erkenntnisse stehen noch aus – die Untersuchungen laufen noch – doch bereits jetzt lässt sich sagen, dass sowohl Management als auch Aufsichtsbehörden in hohem Mass versagt haben. Das Management beispielsweise hatte gefälschte Videoaufnahmen vorgelegt, die beweisen sollten, dass es keine gefährlichen Säureablagerungen gebe. Die Aufsichtsbehörde wiederum hatte das Werk schon im November 2001 zur Inspektion stilllegen wollen, liess sich aber vom Davis-Besse-Management überreden, den Atommeiler weiterlaufen zu lassen. Dies, weil das Werk unbedingt den Stromproduktionsplan einhalten wollte und ein unvorhergesehener Stillstand viel Geld kostet. Die Betreiberin des Werks versagt auch in anderen Bereichen: Immer wieder hat man radioaktive Partikel in den Filtern gefunden. Dies deutet auf ein gröberes Leck hin. Doch statt das Leck zu suchen und das Loch zu flicken, hat man die Filter häufiger ausgewechselt… Mittlerweile laufen diverse Untersuchungen: eine Strafuntersuchung gegen den Betreiber, eine Untersuchung gegen die Aufsichtsbehörde und eine allgemeine Untersuchung durch den Kongress. Ähnliche Risse im Reaktordeckel treten übrigens auch in Frankreich, Japan, Spanien und der Schweiz auf.

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AKW Flamanville: Stromversorgung fällt im Kontrollraum aus - 16.02.2002
Im französischen AKW Flamanville führt eine Kombination von menschlichem Versagen und fehlerhafter Ausrüstung dazu, dass die Stromversorgung im Kontrollraum ausfällt. Das heisst, sämtliche Anzeigen sind lahmgelegt. Nur noch die Batterien funktionieren – aber sie vermögen nicht alle Anzeigen mit Strom zu versorgen, sondern nur die absolut wichtigsten. Da auch das Notsystem und sogar der Dieselgenerator ausfallen, droht der Kern zu schmelzen. Bei dem Versuch, die Kernschmelze, also den grössten möglichen Atomunfall, zu verhindern, versagen weitere Systeme. Nur mit viel Glück kann der Reaktor unter Kontrolle gebracht werden. Kein Szenario hat bisher einkalkuliert, dass System nach System ausfallen könnte.

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Rohrleitung explodiert - 14.12.2001
Im deutschen AKW Brunsbüttel explodiert eine Rohrleitung mit der Sprengkraft einer Handgranate. Das Rohr befindet sich in der unmittelbaren Nähe des Reaktorkerns. Die Belegschaft, die nicht in das Reaktorinnere hineinsehen kann, interpretiert erst die Anzeigen falsch und löst dann die falschen Massnahmen aus. Das Management – immer noch von einer falschen Analyse ausgehend - meldet den Vorfall verspätet an die Behörden weiter und weigerte sich, den Reaktor abzuschalten, damit der Vorfall genau untersucht werden kann. Trotz massiven Drängens der Behörden kann die beschädigte Leitung erst zwei Monate später untersucht werden – und erst jetzt findet man heraus, dass es sich bei dem Vorfall um eine Explosion gehandelt hat. Eine Explosion, bei der sich schlussendlich nur noch ein einziges Ventil zwischen dem zerstörten Rohr und dem hochradioaktiven Herzen des Reaktors befindet und den Austritt von radioaktivem Dampf stoppt. Der «Spiegel» erklärt das zögerliche Reagieren der Betreiberfirma mit Kostendruck – Abstellen im Winter ist teuer, das Unternehmen hätte Ersatzstrom auf dem freien Markt zu Höchstpreisen einkaufen müssen. Der Unfall gilt als schlimmster in der deutschen Atomgeschichte. «Der Spiegel» zitiert Experten und kommt zum Schluss: Bloss der Zufall hat eine Katastrophe verhütet.

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Brand im spanischen AKW Vandellos - 19.10.1989
Im spanischen AKW Vandellos bricht ein Brand aus, der das Kühlsystem des Reaktors in Mitleidenschaft zieht. Da Vandellos-1 nicht über eine eigene Feuerwehr verfügt, müssen die Feuerwehrleute teilweise aus über 100 Kilometern Entfernung herbeieilen. Sie bekämpfen den Brand jedoch mit Wasser statt mit Schaum, was sich wegen des vielen Öls als falsch erweist und die elektrischen Leitungen durchschmoren lässt. Weder Direktion noch Personal setzen den Notfallplan in Kraft. Erst nach mehreren Stunden kann das Feuer unter Kontrolle gebracht werden. Im Anschluss an den Unfall wird das Werk stillgelegt, unter anderem auch, weil die Behörden schon seit einigen Jahren Verbesserungen im Kühlsystem und der Feuerbekämpfung verlangt haben und kaum etwas gemacht worden ist.

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Betreiberin des schweizerischen AKW Beznau I verschweigt Defekt - 22.08.1979
Die US-Atombehörde beschuldigt die Betreiberin des schweizerischen AKW Beznau I, einen schwerwiegenden Defekt geheim gehalten zu haben, bei dem es zum Sieden des Kühlwassers an den Brennstabrohren gekommen ist. Es handelt sich um denselben Defekt, der in den USA zur teilweisen Kernschmelze im AKW Three Mile Island geführt hat. Beznau musste nach dem Zwischenfall für 103 Stunden stillgelegt werden.

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Isolierung im US-amerikanischen AKW Browns Ferry fängt Feuer - 22.03.1975
Im US-amerikanischen AKW Browns Ferry überprüft ein Arbeiter mit einer Kerze die Luftströmung bei einem Kabelbündel. Dabei kommt er mit der Kerze zu nahe an die Isolierung - sie fängt Feuer. Unglücklicherweise bricht das Feuer in einem Raum aus, durch den sämtliche wichtigen Steuerkabel führen. Der Reaktor gerät für Stunden ausser Kontrolle. Nur mit viel Glück kann man ihn wieder «einfangen».

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Brand im schweizerischen AKW Mühleberg - 28.07.1971
Im schweizerischen AKW Mühleberg ereignet sich ein schwerer Brand im Maschinenhaus, der mehrere Sicherheitssysteme lahm legt. Eine grosse Anzahl von Fehlalarmen erschwert den Überblick. Die Betriebsleitung gesteht später, dass die Situation im Kontrollraum während Minuten ausser Kontrolle geraten ist.

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